Die Geschichte der Ohrdorfer Windmühle


Am 1. Dezember 1859 wurde Vollhöfner Jördens aus Teschendorf auf dem Amt in Isenhagen vorstellig. Er erklärte, er besitze in Zasenbeck eine Kornwindmühle. Ehemals sei es eine herrschaftliche Erbenzinsmühle gewesen. Er habe sie jedoch inzwischen mit 1.750 Talern abgelöst und so zu seinem freien Eigentum gemacht. Nun sei ihm zu Ohren gekommen, dass bei Ohrdorf eine Kornwindmühle errichtet werden solle. Da durch einen solchen Bau seine Mühle an Wert verlieren würde, beantragte er, dass ihm die Konzession für den Neubau bei Ohrdorf erteilt werde.

 

An demselben Tage stellte aber auch Müller Bente aus Wittingen einen solchen Antrag. Er verdiene vorrangig Berücksichtigung, da er an das Schulzesche Gut jährlich 75 Taler Erbenzins zu zahlen habe.

 

Als dritter Interessent trat schließlich Vollhöfner Joachim Heinrich Krüger aus Ohrdorf auf den Plan. Er bezeichnete auch sofort einen geeigneten Platz an der Landstraße nach Wittingen, wo "in gesetzlicher Entfernung" die Bockwindmühle mit je einem Roggen- und einem Weizenmahlgang erstehen sollte. Die Notwendigkeit, dass in Ohrdorf eine Windmühle gebaut werden müsste, begründete er mit dem Hinweis, dass die meisten Einwohner in Ohrdorf im Preußischen, also im Ausland, mahlen ließen. Und das sei doch wohl kaum im Interesse des Staates.

 

Für den Interessenten Krüger mache sich auch die Gemeinde Ohrdorf stark. Zum 18. Januar 1860 berief Ortsvorsteher Matte eine Versammlung aller Grundeigentümer ein, bei der sich alle für den Dorfgenossen aussprachen. Kurz darauf gab auch das Amt Isenhagen öffentlich bekannt, es sei in Ohrdorf der Bau einer Kornwindmühle geplant. Wer Widersprüche oder Einwendungen anzumelden habe, möge sich am 20. Februar 1860 in der Amtsstube in Isenhagen einfinden.

 

Eine besondere Benachrichtigung ging den Mühlenbesitzern in der Umgebung zu, die unter Umständen eine Schmälerung ihres Einkommens zu erwarten hatten. Es waren dies Schiehorn und Queckenstedt in Wahrenholz, Holste in Wittingen, Santelmann in Zasenbeck, Wieblitz in Radenbeck, Kötke auf der Lütjemühle, Schröder in Knesebeck und Rickel auf der Stackmannsmühle. Eine stattliche Anzahl von Mühlen hatte also das Wittinger Land vor gut hundert Jahren aufzuweisen.

Bei dem Termin in Isenhagen einigten sich drei Antragssteller schnell dahingehend, dass derjenige, der den Zuschlag erhalten sollte, auch die Kosten des Planungsverfahrens zu tragen habe. Das Bedürfnis nach einer Mühle hielten alle für gegeben, da die Orte im Einzugsbereich - nämlich Suderwittingen, Teschendorf, Küstorf, Mahnburg, Rade und Schneflingen - höchstens eine Stunde entfernt seien.

Die meisten Müller in der Umgebung waren verständlicherweise dagegen. Man einigte sich schließlich, von Mühlenbaumeister Sprengell in Hannover ein Gutachten einzuholen.

 

Am 3. Oktober 1863 wurde der Platz bei Ohrdorf von einem Beauftragten des Amtes Isenhagen in Augenschein genommen. "Die Baustelle ist hoch gelegen und dem Winde ausgesetzt," wurde schriftlich festgehalten. Als Argument für die Unbedenklichkeit, an diesem Ort bauen zu können, führte man kurioserweise auch an, dass "der Schatten der Windmühle nicht auf die Landstraße fallen werde." Pferde hätten diesen nämlich scheuen können.

Die oben genannten Parteien stritten sich lange Zeit über die Notwendigkeit einer Mühle in Ohrdorf. Schlussendlich erhielt Vollhöfner Krüger nach einem fast achtjährigen Kamp am 19. Juni 1867 "die erbetene Erlaubnis zur Anlage einer Kornwindmühle". Die Nachbarmüller Santelmann in Zasenbeck und Kötke in Lütjemühle verzichteten auf einen Widerspruch. Die Zeit hatte gegen sie gearbeitet.

 

Als Standort wurde ein Platz auf der Krügerschen Koppel an der damals noch nicht ausgebauten Landstraße nach Wittingen gewählt, ca. 80 Ruten vom Dorf entfernt. Dass die Straße noch nicht ausgebaut war, sollte sich als vorteilhaft für Krüger erweisen: Denn sonst hätte Krüger anstatt acht Ruten, nämlich fünfzig Ruten von der Straße entfernt bauen müssen. Das das wäre wegen der Hanglage äußerst ungünstig gewesen.

 

Die Wegebauinspektion in Gifhorn wollte möglichst 15 Ruten Entfernung von der Straße erreichen und ließ deswegen sogar das Gelände ausnivellieren. Dabei stellten die Landmesser fest, dass der 15 Ruten entfernte Platz sogar noch 0,18 Fuß (5cm) höher lag als der von Krüger vorgeschlagene Standort.

Auch die Koppelnachbarn wollten von diesem geringfügigen Höhenunterschied nichts wissen. Sie bestanden darauf, "dass Krüger die gesetzliche Entfernung von der Landstraße innehalten soll, weil sie das Flüchtigwerden ihrer Pferde vor der Windmühle befürchteten."

 

So konnte denn endlich der Bau beginnen. Mit der Planung und Ausführung der Windmühle wurde der Mühlenbauer Dettmer aus Steimke in der Altmark beauftragt.

 

 

Quellennachweis: Akten des Nds. Hauptstaatsarchivs Hannover, Hann. 74 Isenhagen Nr. 1061