Die Jahre 1912 - 1961


Nachdem in der Einleitung kurz auf die Gründung des Posaunenchores eingegangen wurde, ging es für die 15 aktiven Gründungsmitglieder an die Instrumente.

Die erforderlichen Instrumente und Notenliteratur wurden durch Kantor Heuke bei Clemens Glier bestellt. Herr Kantor Heuke bekam wegen der so reichlichen Bestellung als Anerkennung eine Trompete als Geschenk von Clemens Glier geschenkt.


Die Kiste mit den Instrumenten kam an und wurde in die Schule gebracht. Sofort kamen die Mitglieder des Chores zusammen und umstanden die Kiste. Heinrich Schulze, die Seele des Chores, öffnete die Kiste. Es muss hier noch gesagt werden, dass Hermann Krüger ebenfalls zu den ganz aktiven Mitgliedern gehörte, denn er streckt ja dem Chor das Geld für die Instrumente vor.


Jedem Bläser wurde nun das für ihn geeignete Instrument übergeben. Jeder blies nun eifrig ins Horn, aber es kam kein Ton heraus. Da kam schnell die Ernüchterung und Heinrich Schulze meinte: "Das hätten wir nicht tun dürfen"! Aber die Instrumente waren nun einmal da. Und dazu kam es, dass drei Bläser schon blasen konnten: Kantor Heuke, Herr Koppermann und Hugo Meyer! Dieser Letztere Übernahm das Helikon und Koppermann das Flügelhorn, ebenso Herr Kantor Heuke. Dadurch wurde der Tiefpunkt der Stimmung überwunden und nachdem jeder die Technik des Anblasens des Instrumentes erlernt hatte, standen die Bläser in den Ecken der Schulstube und machten: "TUT"!


Aber die Töne waren alles andere als schön und sauber. Herr Kantor Heuke wurde gleich als Chorleiter bestellt und er setzte sich gleich am folgenden Abend die erste Übungsstunde an. Alle kamen. Nach diesem ersten Übungsabend konnte fast jeder die Tonleiter nach dem Gehör blasen. Nun stieg die Stimmung im Chor wieder auf "Schön Wetter" und es wurde eifrig und gründlich geübt. Das erste öffentliche Auftreten war in Knesebeck anlässlich einer Feier, auf der Pastor Huth sprach.


Inzwischen war gut ein Jahr vergangen und der 1. Weltkrieg brach aus. Alle Bläser wurden eingezogen, nur der Chorleiter, Herr Heuke, blieb zurück. Da ruhten nun erst einmal die Instrumente. Der Krieg zog sich in die Länge. Viele Hoffnungen gingen zugrunde. Ein Bläser starb im Lazarett. Es war Heinrich Schulze, die Seele vom Posaunenchor. Andere verzogen oder heirateten weg. So kehrten nicht alle Bläser nach Kriegsende zurück. Aber der Chor begann von Neuem seine Arbeit. Andere, jüngere Kräfte kamen hinzu. 1921 hatte sich der Chor wieder gut hochgearbeitet, so dass er in demselben Jahr den Knesebecker Posaunenchor aus der Taufe heben konnte. Aber das Jahr 1921 brachte für den Chor noch einen großen Einsatz. Pastor Huth hatte Silberhochzeit. Nun galt es, das Fest zu gestalten. Ein großes Programm wurde aufgestellt und auf Hannovers Saal durchgeführt. Fast die ganze Kirchengemeinde nahm an dieser Feier teil. Kinder sagten Gedichte auf, ein kleines Theaterstück wurde aufgeführt und der Posaunenchor blies freudig seine Melodien.


Nach diesem festlichen Ereignis, sah man sich nach anderen Anlässen um. So wurde nun zu allen Silberhochzeiten und Goldenen Hochzeiten sowie kirchlichen Festen gespielt. Aber nicht nur in Ohrdorf allein, sondern man ging bis in die weitere Umgebung bis nach Nettgau, Steimke und sogar nach Bodenteich.


Um das Jahr 1925 fand ein großes Jugendtreffen statt. Aus allen Ortschaften kamen die männlichen Jugendlichen gleichsam sternförmig in Wiswedel zusammen. Ein Hauptmann hatte über die Küchenmannschaft das Kommando. Nachdem alle Jugendlichen gegessen hatten, wollte er auch etwas sagen und er brachte ein Hoch auf den nicht mehr vorhandenen Kaiser aus. Er erwartete, dass die Ohrdorfer Bläser nun einen Tusch blasen würden. Aber weit gefehlt. Kein Bläser rührte sich. Da rief er: "Ihr Männer, ein Tusch, einen Tusch!". Aber das war vergeblich. Denn keiner der Bläser wusste, was ein Tusch ist. Hinterher wurde noch viel gelacht über "das Tusch".


Als der Posaunenchor wieder auf der Höhe seines Könnens war, da musste er seinen scheidenden Pastoren, der im Jahre 1929 in den Ruhestand ging, verabschieden. Dieser erfreute sich nur einige Monate seines Ruhestandes, denn er starb noch im selben Jahr in Hannover-Kleefeld. Schweren Herzens packten die Bläser ihre Instrumente ein und fuhren zur Beerdigung ihres Pastors Huth nach Hannover.


Im Jahre 1925 nahm der Posaunenchor an einem Jugendtreffen auf der Marienburg teil. Auf dem Wege dorthin musste man auf dem Bahnhof Isenbüttel längere Zeit warten. Um sich die Zeit zu vertreiben, spielte man auf dem Bahnsteig flotte Volkslieder. Als dann der Zug einlief und man weiterfahren wollte, protestierten die vielen Zuhörer, die sich inzwischen eingefunden hatten und verlangten, das weiter "konzentriert" werden sollte!


In den nächsten Jahren verlief die Arbeit ohne nennenswerte Ereignisse. Aber das Jahr 1935 kam heran. Es galt die 700 Jahrfeier der alten Ehrkirche St. Laurentius durchzuführen. Da wurde fleißig geübt. Man wollte aber diesen Festtag nicht alleine begehen und so gestaltete man die 700 Jahrfeier in der Woche des 10. Augusts, des Laurentiustages, am folgenden Sonntag zu einem Kreisposaunenfest.

Am Vormittag war die Feier der Kirche. Der damalige Landessuperintendent D. Harahrens hielt am Vormittag die Festpredigt. Am Nachmittag hatten die Posaunenchöre das Zepter. Es war ein erhebendes Fest, das noch bei Vielen in guter Erinnerung ist.


So hatte der Posaunenchor manch schöne und abwechslungsreiche Stunden. Doch die Arbeit blieb nicht ungetrübt. Der 2. Weltkrieg brach aus. Wieder wurden die meisten Bläser eingezogen. Die Chorarbeit kam zum Erliegen. Aus den Reigen des Posaunenchores fielen folgende Männer: Heinrich Schulze, der Sohn des Mitgründers und eifrigen Förderers des Posaunenchores; Walter Wendt, Heinrich Hoop, Ernst Meinecke und Albert Matte.


Als der Krieg zu Ende war, kam die Besatzung durch die Siegermächte. Viele Instrumente wurden durch die Angehörigen der Besatzungsmächte zerstört oder weggenommen. Es sah trostlos aus. Als man wieder an die Arbeit gehen konnte, waren klaffende Wunden unter den Bläserreihen und dem Instrumentenmaterial.

1946 ging man wieder mutig ans Werk. Erschwert wurde die Arbeit dadurch, dass es wenig Heizmaterial gab. Dazu war auch kein Übungslokal durch die seltsame Einstellung des damaligen Stelleninhabers vorhanden.

In dieser Notlage half Herr Ernst Tack. Er lud die Bläser zu sich in das Bahnhofslokal in den Wartesaal ein. Er und alle seiner drei Söhne bliesen mit. Es waren nicht viele Instrumente vorhanden. Abre die Besetzung reichte aus, dass man wieder einen Chor aufmachen konnte. Seit 1948 nahm man wieder regelmäßig an allen Kreisposaunenfesten teil. Auch auf den Landesposaunenfesten in Betzhorn, Hanstedt und Lüneburg blies man mit.


Das Jahr 1942 kam heran und der Chor konnte sein 40jähriges Jubiläum feiern. Aus diesem Anlass fand hier in Ohrdorf zum 2. Mal das Kreisposaunenfest statt.

Der Chor war inzwischen durch die sehr rührige Arbeit seines alten Chorleiters Kantor Hauke zu einem brauchbaren Instrument herangewachsen. In der Zeit des Orgelumbaus konnte der Chor allsonntäglich im Gottesdienst den Gemeindegesang führen. Zu allen festlichen Gelegenheiten die Gemeinde mit dem glaubensstarken Lied gut erfreuen und den Jubelpaaren an ihren goldenen und diamantenen Hochzeiten erfreuen.


Im Jahre 1953 musste der Chor von seinem treuen, alten Chorleiter Abschied nehmen und ihn zu Grabe tragen. Nach seinem Tode übernahm sein Sohn, Lehrer Wilhelm Heuke die Chorleitung und führt ihn bis zum heutigen Tag (1961). Der Chor zählt an seinem 50. Geburtstag 31 Mitglieder. Der Älteste ist 52, der Jüngste erst zehn Jahre alt. Der Posaunenchor hat die große Freude, anlässlich seines 50jährigen Bestehens 15 Posaunenchöre aus dem Posaunenkreis Wittingen mit 238 gemeldeten Bläsern bei sich zu haben.


Möge Gott dieses Werk segnen und ihm noch weitere Jahre der Wirksamkeit bescheren zur Ehre seines heiligen Namens und zur Erbauung der Gemeinde!