Die Jahre 1962 - 2012


Über die folgenden ereignisreichen Jahre des Posaunenchores sind leider nicht allzu viele Aufzeichnungen gemacht worden, so dass die hier erwähnten Angaben überwiegend aus dem Erinnerungsvermögen der noch lebenden Zeitzeugen resultieren. Umso wichtiger, dass diese Erinnerungen nun online ihr Dasein finden, damit sie niemals verloren gehen. Diese Erinnerungen wurden von Petra Both-Schulz im November 2012 niedergeschrieben und ich freue mich, diese Erinnerungen zu veröffentlichen.

 

Nachdem der Ohrdorfer Posaunenchor in den Jahren 1935, 1952 und 1962 jeweils Gastgeber des damaligen Kreisposaunenfestes war, fand es bis zum heutigen Tag noch insgesamt vier weitere Male in unserer Gemeinde statt. 1972 unter den Eichen in der Ortsmitte, 1980 in der Lagerhalle rechts auf dem Gelände der damaligen RWG Ohrdorf auf dem Bahnhofsgelände, 1992 in der gerade neu erstellten Kartoffelverarbeitungshalle links auf demselben Bahnhofsgelände und abschließend im September 2012 auf dem Schützensaal in der Nachtweide, was allen gerade im Hinblick auf die große Anzahl an Zuhörern noch lebhaft in Erinnerung ist.

 

Wie schon erwähnt, übernahm im Jahre 1953 der Lehrer Wilhelm Heuke den Posten des Chorleiters von seinem Vater, dem Kantor Heuke. Es wurde fleißig weiter geübt, wobei ab den späten 60ern die Ausbildung neuer Jungbläser in den Händen von Pastor Karl Eilmes lag, dessen Lehrmethoden nach heutigem Maßstab nicht unumstritten waren.

 

Eine kleine Anekdote aus den frühen 70ern: Als in Folge der Ölkrise 1973 im November die autofreien Sonntage eingeführt wurden, entschloss sich der Posaunenchor am Totensonntag  die umliegenden Friedhöfe trotz unangenehmer Wetterbedingungen zwecks Ständchen mit dem Fahrrad zu bereisen. So pflichtbewusst man auch dachte, ohne Erwärmung von innen, muss auch der begabteste Bläser irgendwann kapitulieren. Man munkelte hinterher, dass nicht mehr jeder das Endziel in Ohrdorf noch erreichte.

 

Ab 1971 übertrug man die Chorleitung an Wilhelm Osenroth, nachdem sich Wilhelm Heuke aus gesundheitlichen Gründen einschränken musste und im Jahre 1977 leider verstarb. Die Jungbläserausbildung übernahm für die Gruppe von 1975 Heinrich Gades aus Knesebeck. 1978 begann eine neue Jungbläsergruppe unter Wilhelm Osenroth und ab 1986 wiederum übernahm Dieter Bunk die Jungbläserausbildung. Wilhelm Osenroth leitete den Posaunenchor insgesamt 22 Jahre, bis Dieter Bunk im Jahr 1993  die Chorleitung übernahm und sie bis 2005 innehatte.

 

Dann folgten ca. 2 Jahre, in denen der Chor ohne Chorleitung auskommen musste, sondern lediglich durch sporadische Unterstützung von außerhalb durch Landesposaunenwartin Silke Lindenschmidt gefördert wurde. Aber auch in dieser schweren Zeit kam die eingeschworene Gemeinschaft ihren Verpflichtungen in jeder Hinsicht nach, ehe im Jahre 2007 zur allgemeinen Erleichterung Dr. Jan-Hinnerk Gebert aus Kakerbeck für die Chorleitung des Posaunenchores gewonnen werden konnte und sie bis zum heutigen Tage ausübt, ebenso die Ausbildung der zahlreichen Jungbläser.

 

Zur Zeit sind durchschnittlich 40 Auftritte pro Jahr zu absolvieren, ungefähr 20 Ständchen auf Geburtstagen und Goldenen oder sogar Diamantenen Hochzeiten und 20 Auftritte an kirchlichen Feiertagen oder zu besonderen Anlässen. Dazu zählen Volkstrauertag, Totensonntag, Erntebitt-, und Ernteandachten, Konfirmationen und deren Jubiläen, Adventskonzerte gemeinsam mit dem Frauenchor und dem Männergesangverein, ökumenische Gottesdienste, Kreisposaunenfeste sowie auch das traditionelle Osterblasen am Morgen des ersten Ostertages gern auch mal mit Trecker und Wagen.

 

Insgesamt zählen im Moment 35 Bläser zum mehr oder weniger aktiven Kreis des Posaunenchores, 18 weibliche und 17 männliche. Die Jüngste ist zwölf und der Älteste 74 Jahre alt.

 

Das Üben findet für den Hauptchor jeweils mittwochs von 19:30-21:00 Uhr bei „Martin“, das heißt, unter den strengen Augen Martin Luthers auf einem Bild im Gemeindehaus statt.

 

Nun sind wir also 100 Jahre alt und der Zahn der Zeit nagt an uns. Nichtsdestotrotz haben wir immer noch Spaß und Freude an der Choralmusik wie auch schon unsere Altvorderen. Während sich in früheren Zeiten das Notenmaterial des Posaunenchores stark an Kuhlo orientierte, welcher mit seiner Klavierschreibweise das Zusammenspiel von Gemeinde, Orgel, Chor und Posaunenchor vereinfachen wollte, ist das Repertoire heute durchaus breiter gestreut. Die Abgrenzung zum weltlichen Bereich, besonders zur Militärmusik war durchaus mit beabsichtigt. Kuhlo wollte verhindern, dass die Mitglieder der Posaunenchöre bei transponierend spielenden Blaskapellen anheuerten, die er wegen seines Bierkonsums und ihres Repertoires als verwerflich ansah (Quelle: Wikipedia).

 

Auch heute noch gilt für uns Bläser die Maxime: Wir blasen zum Lobe des Herrn und zur Erbauung der Gemeinde — daran wollen wir uns halten und wünschen uns noch viele weitere Jahre mit einem engagierten Posaunenchor in eurer Mitte.