Landwirtschaftliche Ein- und Verkaufsgenossenschaft


Dieser Bericht widmet sich dem 50jährigen Jubiläum der landwirtschaftlichen Ein- und Verkaufsgenossenschaft Ohrdorf und Umgebung eGmbH. Als Quelle dient eine 24-seitige Ausgabe aus dem Jahre 1970 zum damaligen Jubiläum.

 

Die 50. Wiederkehr des Tages, an dem die LEuVG mit ihrer Arbeit begann, gibt uns Veranlassung, Ihnen die kleine Festschrift vorzulegen. Sie soll Ihnen die Entwicklungsgeschichte einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in einem Zeitraum aufzeigen, dessen Wirtschaftsablauf durch Krisen, Systemwechsel und Kriege voller Gefahren war.

 

Damit möchten wir auch die enge Verbundenheit mit Ihnen zum Ausdruck bringen und die Gelegenheit benutzen, Ihnen für die gute Zusammenarbeit in den letzten 5 Jahrzehnten herzlich zu bedanken. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass diese Schrift dazu beitragen möge, die Verbundenheit mit der Genossenschaft weiter zu festigen und auch in Zukunft ein gutes, harmonisches Verhältnis zu ihr zu bewahren und auch auf die heranwachsende Jugend zu übertragen.

 

Ohrdorf, den 22. August 1970, Ihr Vorstand und Aufsichtsrat

Die Landwirtschaft hatte, wie wohl kein anderer Berufsstand, in den ersten Jahren nach dem 1. Weltkrieg unter den zerrütteten wirtschaftlichen Verhältnissen zu leiden. Zu dieser Zeit kam in unserer Gegend der Gedanke zu einem Zusammenschluss zur Gründung einer Warengenossenschaft auf.

 

Am 22. August 1920 war es soweit. Unter Vorsitz des Herrn Ökonomierates Dobberkau, dem Witziger Stadtgutspächter, und in Anwesenheit des Herrn Generalsekretär Bussen von der Landwirtschaftskammer Hannover, der zum Protokollführer ernannt war, fand in Hannovers Gasthaus, Ohrdorf, die Gründungsversammlung statt. Die Eintragung in das Genossenschaftsregister ist am 9. September 1920 beim Preussischen Amtsgericht Isenhagen erfolgt.

 

67 fortschrittlich gesinnte Landwirte und Gewerbetreibende traten als Gründer der neuen Genossenschaft bei. Ihre Namen seien hier würdigend vermerkt:

Die Genossenschaft wurde seit Gründung von folgenden Geschäftsführern geleitet:

An dieser Stelle sei besonders erwähnt, dass die 1893 gegründete Dünge- und Futtermittelhandlung Joachim-Heinrich Meyer (Kunst-Meyer) bei Gründung der Genossenschaft ihre Tätigkeit einstellte und somit half, ihr den Weg zu ebnen.

 

Die Genossenschaft konnte sofort ihre Arbeit in einem Büroraum im Hause des zum Geschäftsführers gewählten Herrn Wilhelm Meyer aufnehmen. Für Mehl und Sämereien wurde ebenfalls ein Lagerraum auf dessen Grundstück eingerichtet. Futter- und Düngemittel wurden in kleinen Schuppen am Bahnhof gelagert, der ebenfalls W. Meyer aus der Zeit des Privathandels her gehörte.

 

Das Interesse zur Genossenschaft war groß, und so waren bereits am 30. Juni 1921, zum Ende des ersten Geschäftsjahres, 218 Mitglieder gerichtlich eingetragen. Im Geschäftsjahr 1920/1921 konnten bereits 42.000 Ztr. Waren im Werte von 1.183.800 Reichsmark umgesetzt werden. 1923/24 kam die Inflation. Die Bilanzsumme am 30. Juni 1924 war eine 17-stellige Zahl. Nach dieser Finanzkrise konnte Herr Verbandsprüfer Franz am 1. Juli 1924 die Goldmarkbilanz aufstellen. Mit einem Vermögen von 12.577,67 Goldmark begann ein neuer Start. Die innere Zusammengehörigkeit macht nun ständig wachsende Fortschritte, was sich aus den steigenden Umsatzziffern ergibt. 1926/27 erfolgte die erste Erweiterung des Speichers am Bahnhof. Die Mitglieder der Orte Hanum, Zasenbeck, Plattau, Radenbeck und Boitzenhagen bekamen in einem Turnus von 2 Wochen ihre Waren angeliefert. Der Transport erfolgte mittels Pferdegespannen. Die Mitglieder der anderen Dörfer holten ihre Ware vom Lager ab, das 1929 nochmals vergrößert wurde. Zu dieser Zeit waren außer dem Geschäftsführer noch ein Angestellter im Außendienst tätig, sowie die beiden Söhne des Geschäftsführers bedarfsweise im Lager und Warentransport.

 

1931 wurde ein Kuchenbrecher gekauft, um so den steigenden Bedarf an Ölkuchenexpellern gerecht zu werden.

 

Das Verhältnis zu den anderen örtlichen Genossenschaften war immer gut. So verhandelten 1934 die Vorstände der Spar- und Darlehenskasse und unserer Genossenschaft, damit alle Mitglieder der "Ein- und Verkauf" durch Mitglieder der Spadaka sein sollten, um so die Forderungen monatlich bei der Bank "abzurufen". Es liegen jedoch keine Einzelheiten darüber vor, ob dieser interne Zahlungsverkehr zustande gekommen ist.

 

1936 wurde seitens der Mitglieder der Wunsch zu Viehabnahme geäußert. Es konnte keine Einigung mit dem Verband ländlicher Genossenschaften Hannover-Braunschweig, welcher die Rechte der Viehverwertungsgenossenschaft Wittingen vertrat, erzielt werden. Dieses wurde seiner Zeit sehr bedauert.

Folgende Bilder zeigen von links aus gesehen das Haus Wilhelm Meyer, das Lager "ehem. Flockenfabrik", die Lagerhalle und den Lagerschuppen

Die im gleichen Jahr in Betrieb genommene fahrbare Kartoffeldämpfanlage wurde derart stark in Anspruch genommen, dass 1938 bereits die 2. Anlage angeschafft wurde.

Durch die stete Aufwärtsentwicklung wurde das Lager nochmals erweitert und am 1. März 1939 durch einen festangestellten Lagerarbeiter besetzt. Dann kamen die schicksalshaften Kriegsjahre und mit ihnen die Jahre der Entbehrung.

 

Die 1939 bestellte "Römer" Saatgut-Reinigung und Beizanlage wurde im Frühjahr 1940 geliefert. Weitere Anschaffungen waren in diesen Jahren nicht mehr möglich.

 

Die Genossenschaft war als kriegswichtiges Unternehmen mit der Erfassung von Kartoffeln und Gemüse beauftragt. Am 1. September 1942 wurden die Speisekartoffelverladungen in Knesebeck aufgenommen. Im Geschäftsjahr 1942/43 wurden 91.000 dz Speisekartoffeln dem Konsum zugeführt. Verladen wurde auf den Stationen Hanum, Waddekath, Radenbeck, Zasenbeck, Knesebeck und Ohrdorf. In diesem Jahr hatten wir den größten Kartoffelversand im Kreis Gifhorn.

 

Im Juni 1942 ging die Kartoffelflockenfabrik eGmbH Ohrdorf in Liquidation und es bot sich für uns der Kauf des Grundstückes und Gebäudes. Das 5.000qm große Grundstück und Gebäude wurde für 20.000 RM und die Maschinen für 4.000 RM erworben. Der Maschinenpark musste sofort für Rüstungszwecke demontiert werden. Das Gebäude sollte nach dem Kriege als Lager und Garage genutzt werden.

 

Nach der Besetzung unseres Gebietes durch de amerikanischen Truppen wurden die Lagerräume am Bahnhof für 6 Wochen beschlagnahmt und durften nicht betreten werden. Hierbei kam es zu Plünderungen, wie anlässlich der Inventur am 30. Juni 1945 festgestellt wurde. In den ersten Nachkriegsjahren hemmte eine nahezu totale Warenknappheit, sowie außerordentliche Verkehrsbeschränkungen und einengende Verwaltungsordnungen der Militär-Regierung die Entwicklung der Genossenschaft.

 

Sehr bedauerlich ist es, dass nach dem Kriege die Ortschaften Haselhorst, Hanum, Gladdenstedt und Nettgau von unserem Einzugsbereich getrennt wurden.

Im Frühjahr 1947 war es trotz staatlicher Bewirtschaftung möglich, eine 40 PS Hanomag-Zugmaschine und 2 neue Anhänger z kaufen. Die hierfür von einigen Organmitgliedern geleistete materielle Unterstützung ist besonders erwähnenswert.

 

1947 wurde in Zusammenarbeit mit der damaligen Saatzuchtgenossenschaft für den ehemaligen Kreis Isenhagen, Wittingen, die Pflanzkartoffelvermehrung aufgenommen. Die fachkundige Betreuung lag in Händen des inzwischen verstorbenen Saatbautechnikers, Herrn Hans Vieweg.

Das Gebäude der "ehem. Flockenfabrik" wurde an die niedersächsische Käserei verpachtet.

1948 erfolgte die Währungsreform und mit der DM-Eröffnungsbilanz begannen wir praktisch wieder von vorn. Nach der Währungsumstellung machte sich außerordentlich störend bemerkbar, dass der so dringend benötigte Handelsdünger nicht immer rechtzeitig zur Verfügung stand, weil neben der mangelnden Wagonstellung die Düngerfabriken nicht in der Lage waren, genügend Vorräte für die Hauptbedarfszeiten zu schaffen. 1951 wurde ein 6,5 to Lkw gekauft, um so der Transporteinschränkung abzuhelfen.

 

Die Genossenschaft hat alle diese schweren Zeiten verhältnismäßig gut überstanden und die Umsatzzahlen zeigten wieder aufsteigende Tendenz.

Für die Buchhaltung wurde inzwischen ein eigener Raum im Hause Wilhelm Meyer gemietet. Nachdem die Genossenschaft 28 Jahre von Herrn Wilhelm Meyer geführt war, wurde sein Bruder Heinrich Meyer am 1. Juli 1948 zum Geschäftsführer bestellt.

 

Am 20. Februar 1951 konnte die Genossenschaft in Anwesenheit von Herrn Verbandsdirektor Dr. Meyerholz ihr 30jähriges Jubiläum feiern. Nach dem plötzlichen Tod des Geschäftsführers, Herrn Heinrich Meyer, am 25. Mai 1952, wurde Herr Gustav Kalm, Wittingen, am 1. Juni 1952 als dessen Nachfolger berufen. Herr Kalm war seit 1931 bei der Viehverwertung-Bezugs und Absatzgenossenschaft Wittingen tätig.

Im Geschäftsjahr 1952/53 setzten sich die Verwaltungsorgane zum Ziel, sobald wie möglich ein größeres Lager mit Büro und einer Wohnung für den Geschäftsführer zu schaffen. So wurde anfangs 1953 von der Kirchengemeinde Ohrdorf ein Teilstück von ca. 7.500qm ihres am Bahnhof liegenden Grundstückes "Vor dem Eichelkamp" gekauft. Der 1953 begonnene Neubau konnte am 1. August 1954 bezogen werden. Auf dem gleichen Grundstück entstand 1953 das Garagengebäude mit zwei Werkwohnungen.

 

Am 1. August 1955 stellen wir unsere Hand-Durchschreibebuchführung auf Maschinenbuchhaltung um.

 

Die am 29. August 1959 einberufene außerordentliche Generalversammlung beschloss mit 46:2 Stimmen den Bau eines 250 to Getreidesilos, einer 2 to Trocknungsanlage und die Erweiterung der Lagerhalle. Zur Getreideernte 1960 konnte dieses Projekt bereits in Betrieb genommen werden.

 

Für die ständig wachsenden Pflanzenschutzmaßnahmen und die Schädlingsbekämpfung steht eine Unimog-Aufbauspritze zur Verfügung. Außerdem ist Herr Willi Bernau, Zasenbeck, als Lohnunternehmer für uns tätig.

 

1961 wurde mit der neuen Futtermisch- und Schrotanlage die Herstellung eigener Mischfutter aufgenommen. Unter der Bezeichnung "OHRE-Futter" produzieren wir für die Schweineaufzucht- und mast:

 

Sauenfutter

Ferkelaufzuchtfutter

Anfangsmast

Mittel-Endmast

Ergänzungsfutter

Lohnmischungen

 

1964 erhielten wir auch die Genehmigung für die Herstellung von "OHRE-Milchviehmischfutter". Durch den größer werdenden Trend zur Schweinemast bauten wir 1967 eine Einrichtung zur "Lose-Verladung" der selbsthergestellten Futtermittel. Für den Transport loser Futtermittel wurde ein Siloanhänger angeschafft, wodurch das Futter schnell und rationell zum Kunden befördert werden kann. Auch stehen unseren Mitgliedern Futtermittelfachberater zur Verfügung.

Für spätere evtl. Betriebserweiterungen haben wir 1963 die Restfläche von ca. 10.800qm des angrenzenden Grundstücks erworben. Unser gesamter Grundbesitz beträgt somit 18.300qm.

 

Das Grundstück und Gebäude "ehem. Flockenfabrik" wurde 1964 verkauft. Dafür wurde eine Lagerhalle in der Größe 17,5 x 25m errichtet.

Um den Umsatzrückgängen an festen Brennstoffen aufzufangen, nahmen wir im Juni 1964 den Handel von Heizöl mit auf. Das Fassungsvermögen des Hochtanks beträgt 50.000l. Zur Belieferung der Kundschaft diente zunächst ein auf dem 65 PS-Unimog liegender 1.800l Aufsatztank. Die ersten Millionen Liter Jahresumsatz waren bald erreicht und bereits 1966 reichte der Transportraum nicht mehr aus, so dass ein 5.000l Aufsatztank gekauft und auf den 5,5t Lkw fest montiert wurde. Der Jahresumsatz liegt jetzt bei 2.000.000l.

 

Bis 1964 konnte die Getreideannahme fast nur gesackt erfolgen. Die Inbetriebnahme einer Einschüttgosse zu ebener Erde erleichtert seitdem die Getreideeinlagerung.

Durch den vermehrten Anfall von Getreide, vor allem auch Saatgetreide aus eigener Vermehrung, war der vorhandene Siloraum unzureichend, so dass die Lagerkapazität 1966 durch Anbau eines Stahlsilos um 140to erweitert wurde und jetzt insgesamt 390to beträgt.

 

Der Wunsch unserer Kunden nach einer Tankstelle wurde im Sommer 1966 mit dem Bau des Tankstellengebäudes und der Installation eines 30.000l-Lagertanks und 2 Zapfsäulen verwirklicht. Der sehr gut anlaufende Absatz erforderte bereits nach einigen Monaten die Einstellung eines Tankwartes.

Neben Benzin liefern wir alle Qualitäten an Motoren- und Getriebeölen. Mittlerweile ist der monatliche Umsatz auf ca. 50.000l angestiegen. Im Frühjahr 1970 wurde die Waschhalle in Betrieb genommen. Somit sind wir in der Lage, einen erstklassigen Kundendienst zu bieten.

 

Um den Saatgut- und Düngerbedarf leichter und rationeller umschlagen zu können, war es erforderlich, 1968 einen Gabelstapler anzuschaffen. Im Jubiläumsjahr ist der Bai einer Lagerhalle mit Anschlussgleis vorgesehen.

 

Rückblickend darf mit Recht festgestellt werden, dass sie sich dank der immer vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Raiffeisenverband Hannover e.V., mit der Haupt-Genossenschaft Hannover, der Landes-Genossenschaftsbank Hannover und mit der Spar- und Darlehenskasse Ohrdorf und besonders dank der guten Mitarbeit der Mitglieder aus kleinsten Anfängen heraus zu einem bedeutenden Unternehmen der heimischen Landwirtschaft entwickelt hat.

 

Möge unter den Mitgliedern stets ein gesunder genossenschaftlicher Gemeinsinn lebendig bleiben, dann werden Ziel und Zweck der Genossenschaft, zum Wohle der Mitglieder, wie sie den Gründern vor 50 Jahren vorgeschwebt haben, auch in Zukunft ihre Erfüllung finden.