Volksbank Ohrdorf eG


Über Jahrhunderte konnte das Geld nur aus Privathand, meist gegen Ausstellung eines Schuldscheines geliehen werden und der Zinswucher blühte.

Um diesem unhaltbaren Zustand ein Ende zu bereiten, versammelten sich am 26. März 1912 52 Männer aus allen Berufszweigen, um die "Spar- und Darlehenskasse eingetragene Genossenschaft" mit unbeschränkter Haftpflicht in Ohrdorf zu gründen.


Bereits am Gründungstage traten der neuen Genossenschaft 60 Mitglieder bei. Das war ein guter und vielversprechender Anfang, Am 15. April 1912 erfolgte die Eintragung in das beim königlichen Amtsgericht in Isenhagen geführte Genossenschaftsregister unter der Nr. 23.




In der von Heinrich Hannover aus Ohrdorf geleiteten Gründungsversammlung wählten die Gründer in den Vorstand die Herren:


Die In der Gründungsversammlung gewählten Aufsichtsratsmitglieder:


Original Protokoll der Errichtung der "Spar- und Darlehenskasse eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht":


Mut und Tatkraft fehlte diesen Männern nicht. Die Gründer einer Spar- und Darlehenskasse mit unbeschränkter Haftpflicht bedeutet, dass jedes Mitglied mit seiner Geschäftseinlage sowie mit seinem gesamten Privatvermögen haftet. Bei Nichtgelingen des Vorhabens hätte jeder von ihnen Haus und Hof verlieren können.


Das am 26. März 1912 angenommene Statut behielt mit verschiedenen Änderungen bis zum Jahre 1939 seine Gültigkeit, In der Generalversammlung vom 11. März 1939 wurde die Umfirmung in "Spar- und Darlehenskasse mit beschränkter Haftpflicht" beschlossen. Ein Geschäftsanteil wurde festgesetzt auf 100 Reichsmark (RM), höchstens 5 Anteile konnten erworben werden. Die wesentlichste Änderung war jedoch die Festsetzung der Haftsumme auf 500 RM. Somit entfiel die unbeschränkte Haftung.


Mit der Geschäftsführung wurde Adolf Querfurth beauftragt. Diese Tätigkeit übte er mit einer Unterbrechung im ersten Weltkrieg bis zum Jahre 1938 aus. In der Unterbrechung von 1915 - 1928 leitete Lehrer Wilhelm Heuke die Kasse.


Im Gründungsjahr trat die Spar- und Darlehenskasse dem Verband Hannoverscher landwirtschaftlicher Genossenschaften e.V. Hannover und der Landesgenossenschaftskasse eGmbH in Hannover als Mitglied bei.


Ende 1912 hatte die Genossenschaft bereits 63 Mitglieder. Die Einlagen betrugen 58.862,20 Mark, die Darlehen 9.016,80 Mark. Ein erster Gewinn von 14,23 Mark wurde erwirtschaftet. Bis Ende 1913 erhöhte sich der Mitgliederbestand auf 74. Die Einlagen betrugen 110.639,05 Mark, die Darlehen 64.263,19 Mark.

Dann kam der erste Weltkrieg und nach seinem unglücklichen Ausgang die Inflation. Die Generalversammlung vom 17. Juni 1923 legte folgende Höchstgrenzen fest:


- der einzelne Kredit darf 40 Mio. Mark nicht übersteigen

- der Vorstand ist berechtigt, Kredite bis 20 Mio. Mark alleine zu bewilligen

- 1 Geschäftsanteil beträgt 10.000 Mark


Am 15.11.1923 erfolgte die Umstellung von 1 Billion Mark auf 1 Goldmark! 4,2 Billionen Mark wurden 1 Dollar gleichgesetzt!


Die deutsche Wirtschaft stand nach Kriegsende praktisch still. Der Krieg hatte Deutschland 165 Milliarden Mark gekostet. Deutschland musste Reparaturen zahlen. Nur wovon? Der amerikanische Finanzmann Dawes erkannte, dass ein wirtschaftlich brach liegendes Land keinen Ertrag abwerfen kann. Innerhalb von 7 Jahren flossen nun nach dem Dawes-Plan 33 Milliarden Mark an Krediten aus dem Ausland. Diese Kredite wurden gewährt, damit die Deutsche Wirtschaft wieder funktionierte.


In der Zeit von 1925 - 1929 erholte sich die deutsche Wirtschaft tatsächlich. 1928 konnten aus Exportüberschüssen 2 Milliarden an Reparationen gezahlt werden. Das Volkseinkommen auch in den kommenden 5 Jahren um 20%. Die Leute verdienten und das Geld wurde in Spareinlagen und Aktien angelegt.


Alles schien gut zu werden, bis zu diesem legendären 24. Oktober 1929. Börsenkurse fallen, private Anleger verkaufen - Banken kaufen und kamen in Zahlungsschwierigkeiten. In Deutschland stieg die Zahl der Arbeitslosen von 800.000 im Jahre 1928 auf 6,1 Millionen im Jahre 1933. Über 30.000 Firmen meldeten Konkurs an.


In den folgenden 10 Jahren begann mit der neuen Regierung unter Hitlers Führung der Aufbau des dritten Reichs. Die Regierung sorgte vor allem für Arbeit und Brot. Tausende Mitarbeiter konnte sie mit dem Bau von Autobahnen, Deichen und Kanälen beschäftigen. Die Arbeitslosenzahl sank im Jahre 1935 auf 1,5 Millionen.

1935 wurde die allgemeine Wehrpflicht für alle Deutschen wieder eingeführt. Ein neues Volksheer, die Luftwaffe und eine neue Kriegsflotte entstanden.


Am 1. September 1939 marschierten die Deutschen in Polen ein. Der Krieg hatte begonnen. Am 8. Mai 1945 ergibt sich die gesamte deutsche Wehrmacht bedingungslos dem Gegner.


Die Schäden des Kriegs begingen nach und nach zu heilen. In Deutschland geht es wirtschaftlich wieder aufwärts. Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 wurde eine neue Epoche eingeleitet. im Frühjahr unterzeichnete der damalige amerikanische Präsident Truman das Gesetz zur Verwirklichung des Marshallplans.

Der rasante wirtschaftliche Aufschwung ging als deutsches Wirtschaftswunder in die Geschichte ein.


Die Währungsreform bedeutete auch für die Spar- und Darlehenskassen einen Neubeginn. Die Verantwortlichen dachten wieder an Investitionen. Am 09.11.1951 wurden vom damaligen Vorstand erstmals Gespräche über den Ankauf des Kirchengrundstücks und des Gebäudes, in dem die Kasse bisher ihre Geschäftsräume gemietet hatte, geführt. 

Ende 1951 wurde die erste Buchungsmaschine angeschafft und ersetzte die bis dahin übliche Durchschreibeführung. Am 01. April 1955 wird der erste Lehrling eingestellt.


Im Jahre 1955 war es dann soweit, dass die Spar- und Darlehenskasse das seinerzeitige Schulgebäude mit Grundstück zum Preis von 20.579 DM von der Gemeinde Ohrdorf kaufe. Einige Umbauarbeiten und weitere Anschaffungen in den Jahren 1956 und 1957 schlossen sich an. In den neuen Räumen entwickelte sich schnell ein lebhafter Geschäftsverkehr. Nach diversen Umbauten und Erweiterungen stellte man fest, dass das bestehende Bankgebäude den Anforderungen nicht mehr genügte.


Der Vorstand und Aufsichtsrat entschlossen im Jahre 1982 das vorhandene Gebäude vollständig zu modernisieren und zu renovieren. Am 15.11.1982 werden die völlig neu gestalteten Geschäftsräume bei einem "Tag der offenen Tür" der gesamten Öffentlichkeit vorgestellt.



Damaliger Vorstand und Aufsichtsrat der Bank:


Damalige Mitarbeiter der Volksbank Ohrdorf eG: